Die Ökumenische Morgenandacht fand statt

Hervorgehoben

Am Montag, 8.6.2020 traf sich eine große Gruppe Beterinnen und Beter im Ostgarten (Labyrinth) des Klosters zur Ökumenischen Morgenandacht.

Helmut Ruschulte begrüßte die Teilnehmer, Heinz Hermann Nordholt sprach zur Tageslosung und Pastor Hirndorf fotografierte die Szene.

Ökumenisches Morgengebet am 8. Juni 2020
um 9.00 Uhr im Labyrinth am Kloster Frenswegen
Auslegung der Tageslosung
Es ist nur ein kleines Buch, das ich damals gefunden habe in einer Buchhandlung in Münster und das ich seither sehr schätzen gelernt habe. Gerade mal so groß wie ein Vokabelheft aus meiner Kindheit, nur dicker. Da steht groß in Gelb auf olivgrünem Hintergrund ein Titel drauf:
„Glück“. 80 Seiten. Autor: der Philosoph Wilhelm Schmid.
Glück, schreibt er, ist letztlich ein anderes Wort für Sinn. Sinn aber bedeutet: Zusammenhang. Sinnlosigkeit, das ist Zusammenhanglosigkeit. Wenn keine Ordnung zwischen den Dingen erkennbar ist, weil Zusammenhänge fehlen, dann ergibt eine Sache keinen Sinn. Wenn zwei
Menschen einander lieben und dadurch zwischen ihnen ein starker Zusammenhang entsteht, dann werden sie dadurch mit Sinn erfüllt.
Christen sagen: Auch und gerade hier, in dem größten Zusammenhang, in dem wir unser Leben sehen und verstehen können, auch und gerade hier, wo wir uns überwölbt und unterfangen und geborgen wissen dürfen von der Hand eines Du, das größer ist als wir, auch und gerade hier kann Sinn erfahren werden, Zusammenhang in seiner ergreifendsten Form,
Zusammenhang mit dem, der uns ins Leben rief und der nicht aufhört, uns zu lieben, Zusammenhang mit dem, der freundlich zu uns redet, der ein Gegner aller Knechtschaft ist, der Schuld vergibt. „Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.“
So spricht Gott mit Israel. Denn an Israel richtet sich das prophetische Wort unserer Losung. Nicht zuerst an uns. Warum dürfen wir es trotzdem heute als Losung hören, die auch uns etwas zu sagen hat? Weil es Gott gefiel, uns in Christus in seinen ewigen Bund mit Israel hinein zunehmen, aus lauter Gnade, nicht um unseres Verdienstes willen. So werden wir Teil dieses liebevollen Sinn-Zusammenhangs, den Gott durch seinen Bund mit seinem Volk stiftet. So dürfen auch wir diesen göttlichen Trost vernehmen, wir, die wir ihn doch so nötig haben, gerade in diesen Zeiten.
Glück der Fülle, das sich in Heiterkeit und Gelassenheit vollendet, dieses Glück hat mit Sinn zu tun, hat mit Zusammenhang zu tun, mit der Erfahrung, selbständig zu sein und doch Teil von etwas, hat zu tun mit Kontakt, mit Austausch, mit Lebendigkeit, mit Empfindungsfähigkeit, mit
Wachheit. Und das hören wir nun aus dem Evangelium von der ersten Seite an: Gott will mit dir in Verbindung stehen, er will selbst nicht existieren ohne den Zusammenhang mit dir, er will nicht zusammenhanglos in der höchsten denkbaren Ferne ein Gott sein, der mit nichts etwas zu tun hat und lediglich in sich selbst ruht. Gott will nicht allein sein. Deshalb erschafft
er die Welt als Ausdruck seiner schöpferischen Liebe. Gott sucht den Zusammenhang. Er sucht das Gegenüber. Deshalb redet er durch seinen Propheten freundlich mit Jerusalem. Und er wird nicht müde, diesen Zusammenhang mit seinem Volk in immer neuen Anläufen zu reparieren, wenn die Menschen ihn wieder einmal vernachlässigt oder durch ihre Schuld aufgegeben haben. Unüberbietbar ist seine Rettungsaktion in Christus, der uns zeigte, wie Gott ist, Christus, der uns zuliebe nicht aufgab bis zum letzten Atemzug, Christus, auferweckt zu einem neuen Leben
am dritten Tag, unter uns in seinem heiligen Geist seit Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche. Wo lebendiger, Leben stiftender Zusammenhang ist, da ist auch Sinn. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Wo die Wörter zusammenpassen, da ergibt der Satz einen Sinn. Wo Kinder geliebt
und groß gemacht werden, da ergibt das Leben einen Sinn. Wo meine Arbeit in einem Zusammenhang steht, den ich bejahen kann, da ist mein Beruf mehr als nur ein Job. Wo ich mich gemeinsam mit anderen für ein bejahenswertes Ziel engagiere, wie wir das im Verein der Freunde und Förderer tun, da empfinde ich Sinnhaftigkeit. Und das gilt auch im ganz
Großen: Wo ich glauben kann, dass mein kleines Leben Teil eines großen Planes ist, in dem die unendliche Liebe des Ewigen sich auslebt – da erfahre ich Sinn in Fülle. Sinn und Glück haben zu tun mit Zusammenhang. Der Ewige, der mit Jerusalem freundlich redet, der Knechtschaft beendet, der Schuld vergibt, der Ewige, der einen Bund schloss mit seinem Volk Israel und ihm seine Propheten sandte, er ist es, der in Christus auch uns sucht
und liebt, auch uns aufnimmt in sein Volk, auch für uns Zusammenhang stiftet. Wir hören diese Botschaft unter dem Trommelfeuer derer, die ganze Gesellschaften aus Eigeninteresse zu spalten versuchen. Wir hören diese Botschaft inmitten der Qualen der Unterdrückten, die schreien: „Get your knee off my neck! I can‘t breathe!“ „Nimm dein Knie runter von meinem
Nacken! Ich kann nicht atmen!“
Der amerikanische Schauspieler Will Smith, vielen von uns unvergessen unter anderem in seiner wunderbaren Rolle in „Independence Day“ von 1996, hat vor vier Jahren – vor vier Jahren! – in einem Interview gesagt: „Racism in America isn‘t getting worse, it‘s getting filmed.“ Rassismus in Amerika wird nicht schlimmer. Er wird inzwischen nur gefilmt. Wir
hören dies in einem Land, in dem Rassismus längst auch schon wieder grassiert. In dem jüdische Mitbürgerinnen nur durch eine funktionierende Holztür vor dem Tod bewahrt werden. In dieser Realität hören wir den Propheten: „Redet mit Jerusalem freundlich!“ In dieser Realität stellen wir uns hinein in den gnadenvollen Zusammenhang mit dem erstgeborenen Volk Gottes und sagen, wo wir nur können, Nein zu Rassismus und Gewalt.


Es ist diese Realität, die uns zeigt, dass die Probleme, vor denen wir hier in Bezug auf die Zukunft des Klosters stehen, schwerwiegend sein mögen, aber doch auch ins Verhältnis gesetzt werden müssen. Dort, angesichts von Rassismus und Gewalt, wie hier, angesichts der Sorgen, die wir uns mitten in der Krise um dieses Haus machen, ist unser tatkräftiges Zeugnis gefragt.
Wir werden nur bestehen, wenn wir Zusammenhänge, Kontakt, Gemeinschaft pflegen. Als Christinnen und Christen der verschiedenen Kirchen, die in diesem Haus immer neu zueinander finden, hören wir, wie freundlich Gott mit uns redet, wie er schon lange vorher freundlich geredet hat mit Jerusalem. In Christus sind wir hinein genommen in den großen
Zusammenhang des Volkes Gottes. In den großen Zusammenhang mit dem, der uns ins Leben rief, und in all die kleinen und größeren Zusammen-hänge, in denen wir Sinn finden und damit Zuversicht in diesen schweren Zeiten. Unsere Poeten, unsere Dichterinnen und Dichter können von dieser Zuversicht viel überzeugender reden als ein predigender Pastor. Wie heißt
es in einem meiner Lieblingsgedichte von Rose Ausländer?
Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da
Sei was du bist
Gib was du hast
(Rose Ausländer, „Noch bist du da“, Auszug)
Amen.
Fürbittengebet
• Für die Einheit der Kirche: ermuntere unsere Gemeinden, lass uns nicht aufhören danach zu suchen, wie wir gemeinsam Zeugnis ablegen und was wir gemeinsam tun können – Kyrie eleison!
• Für dieses Haus: dass es auch weiterhin ein Ort des offenen Dialogs und der Gemeinschaft, der Musik und des Gebets sein kann – Kyrie eleison!
• Für unsere Familie, für unsere Stadt, für unser Land, für die Gemeinschaft der Menschen weltweit: dass wir Wege aus der Lähmung finden, dass es ein Leben gibt nach der Krise –
Kyrie eleison!
• Für alle, die sich weltweit einsetzen, um das Gift des Rassismus auszutreiben aus unseren Gesellschaften: dass ihre Kraft nicht erlahme – Kyrie eleison!
• Und für uns selbst: für unsere bangen, ratlosen Herzen, unsere rastlosen Gedanken, unsere müden Hände: stelle uns mit allem, was wir haben, hinein in den Strom deiner Geisteskraft, hinein in den Zusammenhang deiner Liebe – Kyrie eleison!

Ökumenisches Morgengebet am Montag, 08.06.2020

Liebe Freundinnen und Freunde des Klosters,

seit 23 Jahren laden wir an jedem ersten Montag im Monat zum ökumenischen Morgengebet ein. Es ist im Laufe der Jahre zu einer lieb gewordenen Veranstaltung geworden, die wir nicht missen möchten. In den vergangenen zwei Monaten fand diese Morgenandacht aus bekannten Gründen nicht statt. Auf Beschluss des Vorstandes der Stiftung soll das Haus bis Ende August geschlossen bleiben. Es ist für uns eine beklemmende Vorstellung, dass es weitere Monate in Frenswegen keinerlei spirituelles Leben geben soll.

Auch wenn unsere Bitte, eine ökumenische Morgenandacht in der Kapelle zu feiern, abgelehnt wurde – obwohl z. B. Gottesdienste in den Nordhorner Kirchen möglich sind! – möchten wir Sie herzlich einladen, mit uns teilzunehmen an einer Andacht

am Montag, 8. Juni 2020 um 9.00 Uhr im Labyrinth im Ostgarten.

Der Förderverein hat es sich bei seiner Gründung im Jahre 1978 zur Aufgabe gemacht, die Stiftung ideell und wirtschaftlich zu fördern. Was den wirtschaftlichen Aspekt betrifft, so sind wir angesichts des höchst erfolgreichen Spendenaufrufs (s. Sonderausgabe Klosterbrief Nr. 58) auf einem guten Weg. Nun gilt es, unter Wahrung und Respektierung des Beschlusses des Vorstandes der Stiftung und unter Einhaltung der Vorschriften (Abstand halten, Maske …) ein Zeichen der Hoffnung zu setzen – darum obige Einladung.

Im Namen des Vorstandes des Fördervereins grüßt Sie herzlich

Ihr Helmut Ruschulte

PS: Wir hoffen, dass das Wetter mitspielt; ansonsten „beschirmen“ wir uns einfach! Da nur wenige Bänke im Labyrinth stehen, empfiehlt es sich, eine leichte Sitzgelegenheit (Klappstuhl, Campinghocker oder ähnliches) mitzubringen. Vielleicht gibt es im Juli wieder eine Tasse Kaffee?